
Was, wenn das niemand braucht?
Mein ganz persönlicher Rückblick auf Taggenbrunn
Heute sitze ich da und versuche, Worte für etwas zu finden, das sich kaum in Worte fassen lässt. Der 08.08.2026 auf Burg Taggenbrunn ist vorbei. Monatelang habe ich auf diesen Tag hingearbeitet, so viel überlegt, geplant, vorbereitet, wieder verändert und manchmal bis spät in die Nacht darüber nachgedacht.
Und jetzt ist es still.
Die Musik ist verklungen, der Raum ist leer und jede Frau ist wieder in ihren Alltag zurückgekehrt. Was bleibt, sind die Bilder in meinem Kopf. Die Gesichter, die Tränen, das Lachen, die Umarmungen und diese besonderen Momente, in denen ich spüren konnte: Hier passiert gerade etwas.
Ich bin dankbar, beseelt und überglücklich.
Aber wenn ich ehrlich bin, ist das nur ein Teil der Geschichte. Und genau auf diese Reis möchte ich dich heute mitnehmen.
Denn dieser Tag begann für mich nicht erst am 08.08. Er begann viele Monate vorher, mit einer Idee in meinem Herzen und gleichzeitig mit ganz vielen Zweifeln in meinem Kopf.
Was, wenn das niemand braucht?
Was, wenn sich zu wenige Frauen anmelden?
Was, wenn ich zu viel will?
Was, wenn ich zu viel bin?
Was, wenn ich mich mit allem zeige und am Ende feststelle, dass es niemand sehen möchte?
Diese Gedanken waren da. Nicht nur einmal, sondern immer wieder. Es waren genau jene alten Geschichten, über die ich später auf der Bühne gesprochen habe.
😨 „Ich bin nicht gut genug.“
😨 „Ich bin zu viel.“
😨 „Ich schaffe das nicht.“
😨 „Ich muss alles alleine schaffen.“
😨 „Ich darf keine Fehler machen.“
Ich kenne diese Geschichten nicht nur aus meiner Arbeit. Ich kenne sie aus meinem eigenen Leben.
Ich weiß, wie es sich anfühlt, eine große Vision in sich zu tragen und sie im nächsten Moment selbst wieder zusammenzufalten, bis sie bequem in die Handtasche der eigenen Zweifel passt.
Ich weiß, wie schnell aus einer leisen Unsicherheit eine scheinbar vernünftige Erklärung wird.
😨 Vielleicht ist jetzt noch nicht der richtige Zeitpunkt.
😨 Vielleicht sollte ich noch warten.
😨 Vielleicht bin ich noch nicht bereit.
😨 Vielleicht brauche ich noch mehr Wissen (Ich mach noch schnell eine Ausbildung...glaub mir, kenn ich nur zu gut!🤦♀️), noch mehr Sicherheit, noch einen besseren Plan.
Angst spricht oft nicht wie Angst. Sie spricht in Argumenten. Sie klingt vernünftig und manchmal sogar verantwortungsvoll. Doch tief in mir war gleichzeitig etwas anderes. Eine leise, klare Gewissheit, dass dieser Tag stattfinden soll.
Und so saß ich immer wieder zwischen diesen beiden Stimmen.
Die eine fragte mich, ob ich mir da nicht zu viel vorgenommen hatte. Die andere sagte nur: Geh weiter.
Früher hätte ich vielleicht versucht, die Zweifel loszuwerden. Ich hätte gewartet, bis ich mich sicher genug fühle, bis ich alle Antworten kenne und genau weiß, wie alles ausgeht.
Heute weiß ich: Dieser Moment kommt nicht. Sorry, du kannst warten und warten und warten, oder du gehst trotzdem.
Deshalb gehe ich heute anders mit meinen Zweifeln um. Ich höre ihnen zu. Ich nehme wahr, dass sie da sind, und frage mich: Ist das gerade wirklich meine Wahrheit, oder ist das eine alte Geschichte, die laut wird, weil ich dabei bin, eine bisherige Grenze zu überschreiten? Und ich kann dir sagen es ist nie meine Wahrheit gewesen.
Meine Zweifel durften da sein.
Aber sie durften nicht für mich entscheiden.
Vielleicht war genau das meine wichtigste Entscheidung rund um dieses Event: Ich habe mich nicht erst am 08.08. entschieden. Ich musste mich schon in den Monaten davor immer wieder für diesen Tag entscheiden.
👉 Ich habe mich entschieden, weiterzugehen, obwohl ich nicht wusste, wie viele Frauen am Ende im Raum sitzen würden.
👉 Ich habe mich entschieden, meine Vision nicht so lange kleiner zu machen, bis sie niemanden mehr berührt.
👉 Ich habe mich entschieden, um Hilfe zu bitten und nicht wieder alles allein tragen zu wollen.
👉 Ich habe mich entschieden, mich selbst nicht zu verlassen, nur weil meine Angst plötzlich laut wurde.
Und dann war er da, dieser Tag.
Ich weiß noch, wie ich den Raum gesehen habe. Alles war vorbereitet. So viele kleine Dinge, die mit Liebe ausgesucht und hergerichtet worden waren. Mein Team war da, die Musik, die Geschenke, die einzelnen Stationen....all das, was vorher nur in meinem Kopf und auf unzähligen Zetteln existiert hatte, war plötzlich Wirklichkeit. Es war einfach nur gigantisch, wenn Dinge plötzlich zum anfassen sind, die vorher nur im Kopf existierten.
Dann kamen die Frauen.
Jede mit ihrer eigenen Geschichte. Manche voller Vorfreude, manche neugierig und manche vielleicht auch ein wenig unsicher, was an diesem Tag passieren würde.
Als der Raum sich füllte, spürte ich, wie aus meiner Vision etwas Lebendiges wurde.
👁 Ich sah Frauen, die nach außen stark wirken und im Inneren so vieles mit sich allein ausmachen. Frauen, die funktionieren, organisieren, sich kümmern und für alle anderen da sind und dabei manchmal kaum noch spüren, was sie selbst brauchen.
👁 Ich sah, wie sie sich in den Geschichten anderer wiedererkannten.
👁 Da war die Frau, die längst weiß, was sie möchte, sich aber trotzdem zurückhält.
👁 Die Frau, die ständig zwischen Möglichkeiten schwankt, weil sie ihrer eigenen Entscheidung nicht vertraut.
👁 Und die Frau, die nach außen alles im Griff hat, sich selbst aber kaum noch spürt.
Es hat mich tief berührt, wie schnell echte Verbundenheit entsteht, wenn wir aufhören, einander nur die perfekte Oberfläche zu zeigen.
Plötzlich musste niemand mehr beweisen, wie stark sie ist. Niemand musste ihre Tränen verstecken, sich entschuldigen oder erklären. Alles durfte da sein: die Angst, die Traurigkeit, das Festhalten, das Loslassen, die Erleichterung und dieser Mut, der manchmal ganz leise beginnt.
Ich durfte beobachten, wie Frauen ihre Geschichten nicht nur erkannt, sondern körperlich gespürt haben. Denn unser Körper zeigt immer, was unsere Seele vielleicht schon lange vergeblich versucht, uns zu sagen. Und ich erkannte mich in so vielem wieder.
Er zeigt, wo wir uns zurückhalten. Wo wir uns schützen. Wo wir funktionieren, obwohl wir längst müde sind. Wo wir uns klein machen, obwohl etwas in uns bereit wäre, endlich den eigenen Platz einzunehmen.
An diesem Tag ging es nicht darum, noch mehr über sich selbst zu wissen. Viele von uns wissen längst, warum sie so reagieren, wie sie reagieren. Wir kennen unsere Muster, unsere Glaubenssätze und oft sogar den Moment, in dem eine bestimmte Geschichte begonnen hat.
Aber Erkenntnis ohne Entscheidung verändert nichts.
Es ging um diesen einen Moment, in dem eine Frau aufhört, nur zu verstehen, warum sie sich so lange zurückgehalten hat und sich entscheidet, trotzdem loszugehen.
Nicht irgendwann, wenn die Angst verschwunden ist, sondern jetzt, mit klopfendem Herzen.
Als die Frauen ihren ersten Schritt laut aussprachen, bekam all das, was so lange leise in ihnen war, endlich eine Stimme. Und ich wusste: Genau deshalb musste dieser Tag stattfinden.
Nicht, weil ich keine Zweifel hatte. Sondern weil ich mich von ihnen nicht wieder davon abhalten ließ, etwas zu erschaffen, das so viele Frauen berührt hat.
„Hätte ich auf die Geschichte gehört, dass das niemand braucht, wären diese Frauen nie zusammengekommen. Hätte ich mich aus Angst, zu viel zu sein, wieder kleiner gemacht, hätte es diesen Tag nicht gegeben.“
Das wurde mir erst danach in seiner ganzen Tiefe bewusst.
Ich erzählte den Frauen auf der Bühne von ihren alten Geschichten – und gleichzeitig stand ich selbst dort, weil ich beschlossen hatte, meiner eigenen nicht länger blind zu glauben.
✔️ Ich entscheide mich, mich mit meiner Arbeit klarer zu zeigen.
✔️ Ich entscheide mich, nicht länger kleinzureden, was ich wahrnehme und bewirken kann.
✔️ Ich entscheide mich, meiner inneren Gewissheit mehr zu vertrauen als der Stimme, die mich fragt, ob ich zu viel bin.
Und vielleicht bin ich für manche Menschen wirklich zu viel. Zu tief, zu direkt, zu emotional, zu klar oder einfach zu anders.
Aber wenn ich mich deshalb zurückhalte, bin ich für mich selbst zu wenig.
Das möchte ich nicht mehr.
Das bedeutet nicht, dass ich ab jetzt nie wieder zweifeln werde. Ich kenne mich gut genug, um zu wissen, dass diese alten Geschichten wahrscheinlich vor meinem nächsten großen Schritt wieder auftauchen werden.
Vielleicht werden sie wieder fragen: Kannst du das wirklich? Braucht das jemand? Was, wenn es nicht funktioniert?
Aber ich weiß heute auch, was ich dann tun werde.
Ich werde innehalten und meinen Körper wahrnehmen. Ich werde unterscheiden, ob gerade meine Angst spricht oder meine Intuition. Ich werde mich an alles erinnern, was bereits entstanden ist, weil ich trotz meiner Unsicherheit weitergegangen bin.
Und dann werde ich wieder eine Entscheidung treffen.
Nicht gegen meine Angst, sondern für mich.
Heute bin ich unendlich dankbar für jede einzelne Frau, die an diesem Tag dabei war. Für ihr Vertrauen, ihre Offenheit und ihren Mut. Ich bin dankbar für mein wundervolles Team, das meine Vision mitgetragen und diesen Raum gemeinsam mit mir möglich gemacht hat.
Und ich bin dankbar für mich.
🦸♀️ Für die Karin, die gezweifelt hat und trotzdem weitergegangen ist.
🦸♀️ Für die Karin, die zwischendurch nicht wusste, ob sie das alles schaffen kann, und den nächsten Schritt trotzdem gesetzt hat.
🦸♀️ Für die Karin, die sich nicht wieder kleiner gemacht hat, nur damit sie sich sicherer fühlt.
Einige Frauen haben bereits gesagt, dass sie beim nächsten Mal wieder dabei sein möchten. Und ja, etwas Neues beginnt bereits, Form anzunehmen. Noch ganz leise, aber ich kann es schon spüren.
Vielleicht ist genau das die schönste Erkenntnis dieses Tages:
👉 Wir müssen nicht erst eine mutigere, bessere oder vollkommen sichere Version von uns werden. Wir dürfen mit allem, was gerade da ist, losgehen.
👉 Mit unserer Kraft und unserer Verletzlichkeit.
👉 Mit unserer Vision und unseren Zweifeln.
👉 Mit unserem Mut und unserer Angst.
Vielleicht wartet unser Leben nicht darauf, dass wir endlich keine Angst mehr haben.
Vielleicht wartet es nur darauf, dass wir uns entscheiden.
Von Herzen,
Karin
Weil du mehr bist als deine Ängste und Zweifel.

